Anhand zweier Ausstellungen, die wir mit unserem Kulturerbe-Team für das Museum Kurhaus Kleve begleiten durften, wollen wir die typischen Phasen einer solchen Projektarbeit – von der Evaluation über die Umsetzung bis hin zur Vermittlung – sowie die Bandbreite unserer Leistungen darstellen.
Moderne Museumsarbeit erfordert mehr als das Bewahren und Ausstellen von Kunst. Es geht auch darum, innovative Wege, zu finden, um Kulturerbe für ein breites Publikum zugänglich zu machen, kuratorische Visionen zu realisieren und Ausstellungserlebnisse nachhaltig zu sichern. Dies sind komplexe Aufgabenstellungen, die gerade kleinere Museen vor große Herausforderung stellen: Während konservatorische und kuratorische Expertise in den Häusern vorhanden ist, fehlen oft die personellen und technischen Ressourcen für komplexe Digitalprojekte. Externe Partner, die den gesamten digitalen Workflow abbilden, sind deshalb ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.
Die Ausstellung in der ersten Jahreshälfte im Museum Kurhaus Kleve stellte die Werke des spätmittelalterlichen Malers Jan Baegert und seines Vaters Derick in den Mittelpunkt. Jan Baegert (um 1465 bis nach 1535) gehörte zu den bedeutendsten Malerpersönlichkeiten der niederrheinischen Kunstlandschaft um 1500. Sein Vater Derick Baegert (um 1440 bis nach 1509/um 1515) war einer der führenden Meister der spätmittelalterlichen Malerei im Rheinland. Sehr wichtige Bestandteile der Ausstellung waren zwei Altäre von Derick und Jan Baegert: ein kleinformatiger Flügelaltar aus der ehemaligen Stiftskirche in Cappenberg bei Münster und ein großformatiges Hochaltar-Retabel aus der Propsteikirche in Dortmund.
Wolfram Jopp
Senior Berater Kulturerbe & 3D Technical Artist
Eine zentrale Hürde für unsere Arbeit war, dass deren monumentale Altar-Retabel fest in ihren Heimatkirchen in Dortmund und Cappenberg installiert und somit für einen Transport nicht geeignet sind. Gemeinsam mit dem Museum wurde in der Evaluationsphase im Jahr 2023 die bestmögliche Vorgehensweise entwickelt, um diese Lücke im Ausstellungskonzept schließen zu können. Gemeinsam mit dem Museum Kurhaus Klebe erarbeiteten wir den Vorschlag der Erstellung von originalgetreuen Reproduktionen. Unser Kulturerbe-Team erstellte damals eine entsprechende Machbarkeits-Prüfung, Detail-Planung und Kalkulation für die folgenden Aufgaben.
Mit Erlaubnis der Eigentümer fertigte Fröbus auf Basis dieser Planung detailgetreue Nachbildungen der zentralen Werke als hochwertige UV-Drucke auf Holz, darunter das komplette Altar-Retabel von Derick Baegert und seines Sohnes Jan Baegert sowie einzelne Tafeln des Antoniusaltars aus dem Xantener Dom.
Der entscheidende Faktor für die wissenschaftliche und ästhetische Qualität solcher Repliken ist die Farbauthentizität. In enger Zusammenarbeit mit den Experten des Museums wurden daher von unserem Team die exakten Farbtöne der Originale abgestimmt. Im Rahmen unseres Digital Master Processing (DMP)-Verfahrens glichen unsere hauseigenen Grafiker die digitalen Daten mit den analogen Vorlagen ab, um höchste Originaltreue zu garantieren. Dieses Verfahren stellt sicher, dass auch Alterungserscheinungen oder der ursprüngliche Zustand des Werks bei der Reproduktion präzise wiedergegeben werden können.
Um den Besuchern die Geschichte der beiden Altäre sowie den komplexen Digitalisierungsprozess und die auswändige Erstellung der Repliken der beiden Altäre näherzubringen, wurde von dem chinesischen Künstler und Filmemacher Shuchang Xie ein begleitender Kunstfilm erstellt und in die Ausstellung integriert. Dabei ging es darum, die Wissensvermittlung zu unterstützen und das Museumserlebnis zu bereichern.
Das begleitende Video erklärte die Entstehungsgeschichte der Repliken der Altäre, dokumentierte den Digitalisierungs- und Druckprozess und stellte die Bildprogramme vor. Das fertige Video wurde im Ausstellungsraum selbst auf Monitoren gezeigt und ist teilweise über die Medienkanäle des Museums (Website / YouTube) abrufbar.
Die beiden Replikate wurden maßgetreu, wie die Originale, gefertigt. Beim Dortmunder Retabel maß das Replikat stolze 8 x 2,3 Meter. Die detailgetreuen Zwillinge der historischen Altäre wurden im Hauptraum der Sonderausstellung im Museum Kurhaus Kleve aufgebaut.
Museum Kurhaus Kleve – Rückblick
https://www.mkk.art/programm/ausstellungen/16257-jan-baegert-und-die-malerei-des-mittelalters
Für die bisher größte Ausstellung über den Künstler Ewald Mataré sollte dessen Zitat „Jeder solle meine Kunst begreifen können“ erlebbar gemacht werden. Ewald Mataré (1887–1965) war ein deutscher Bildhauer und Grafiker, bekannt für seine reduzierten, klaren Formen. Er lehrte an der Kunstakademie Düsseldorf, zu seinen Schülern gehörte u. a. Joseph Beuys. Mataré gilt als eine Schlüsselfigur der modernen Plastik im 20. Jahrhundert.
Die Idee der Kuratorin Valentina Vlašić war es, die Bronzeplastik „Große liegende Kuh“ in ein anfassbares Objekt zu verwandeln. Taktil erfahrbare Exponate ermöglichen Besucherinnen und Besuchern – insbesondere blinden und sehbehinderten Menschen – eine unmittelbare Begegnung mit Kunst. Darüber hinaus senken sie allgemein die Hemmschwelle, sich mit Kunst auseinanderzusetzen, da die Distanz zum „unberührbaren Original“ aufgelöst wird. Sie fördern spielerische Neugier und eröffnen einen inklusiven Zugang für Familien, Kinder und Menschen mit Behinderungen.
Die geplante Erstellung von Replikaten erfordert einen mehrstufigen Produktionsprozess, der digitale und physische Kompetenzen vereint. Das taktile Sitzobjekt von der „Großen liegenden Kuh“ ist mit 2,4 Meter Länge ca. 4-mal so groß wie die Original-Bronzeplastik (Länge 57 cm). Die Materialwahl – Schaumstoff in Schichten, ergänzt um einen robusten Textilbezug – wurde getroffen, um Sicherheit, Haltbarkeit und haptische Nähe zu gewährleisten, ohne den Anspruch einer exakten Materialtreue an Bronze zu erheben.
Zunächst wurde die Originalskulptur mittels eines 3D-Scanverfahrens, wie der Fotogrammetrie, digital erfasst, um einen hochauflösenden „digitalen Zwilling“ zu erstellen. Der digitale Master ist die Grundlage für jede wissenschaftliche Analyse oder, wie in diesem Fall, für eine innovative Reproduktion.
Auf Basis dieser 3D-Daten wurde ein einzigartiges Sitzmöbel aus 22 Schichten Schaumstoff gefertigt. Das taktile Exponat war für das Museum ein wichtiger Baustein für einen barrierefreien Kulturzugang und sollte insbesondere Familien und jüngere Zielgruppen ansprechen. Die Produktion demonstriert die Verbindung von modernster Technologie und Handwerkskunst: Das Schnittmuster für den Stoffbezug wurde direkt aus dem UV-Layout des 3D-Modells abgeleitet, während eine erfahrene Textilrestauratorin aus dem Netzwerk von Fröbus die Näharbeiten übernahm.
Über die Erstellung einzelner Exponate hinaus unterstützte Fröbus das Museum Kurhaus Kleve bei der umfassenden Dokumentation und digitalen Konservierung der gesamten Mataré-Ausstellung:
Solche virtuellen und navigierbaren Rundgänge machen Ausstellungen über ihre Laufzeit hinaus zugänglich und ermöglichen es einem globalen Publikum, die kuratorische Arbeit zu erleben. Der von uns erstellte Virtuelle Rundgang der Ausstellung wurde für Forschungszwecke sowie Besucher zur Verfügung gestellt und auf der Museums-Website integriert:
Unsere beiden Projekte für das Museum Kurhaus Kleve zeigen, wie Fröbus als Fullservice-Medienproduzent Kulturinstitutionen bei sehr unterschiedlichen Aufgabenstellungen und durch alle Projektphasen begleitet: von der Evaluation der Sammlung oder Exponate und initialen Beratung über die objektschonende Digitalisierung vor Ort bis hin zur Erstellung physischer Repliken oder interaktiver digitaler Anwendungen. Anstatt mehrere Dienstleister zu koordinieren, profitiert das Museum von einem zentralen Ansprechpartner, der interdisziplinäre Kompetenzen bündelt und einen konsistenten Workflow sicherstellt. Diese Art der Partnerschaft ermöglicht es Museen, anspruchsvolle kuratorische Visionen zu realisieren und ihr kulturelles Erbe für die Zukunft zu sichern und erlebbar zu machen.
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